Wo ist Gott, wenn ich IHN brauche?

Aber gehe ich nun vorwärts, so ist er nicht da; gehe ich zurück, so spüre ich ihn nicht. Ist er zur Linken, so schaue ich ihn nicht; verbirgt er sich zur Rechten, so sehe ich ihn nicht.                              Hiob 23, 8-9

Ach dass ich wüsste, wie ich ihn finden und zu seinem Thron kommen könnte!    Hiob 23, 3

 

Wahrscheinlich gibt es keinen von uns hier, der all das durchmachen musste, was Hiob und seiner Familie widerfahren ist. All das Leid, dass der Teufel ihm entgegenbrachte, bis nicht nur sein materieller Reichtum, sondern und vor allem auch seine Familie zerstört wurde.

Ich glaube aber, dass wir hin und wieder ähnliche Gefühle in uns haben, wie Hiob. So wie die Mutter, die zum Pastor kam: „Pastor, wo war Gott, als mein Baby starb?“ Oder der Ehemann, der innerlich aufgewühlt ist und sich fragt: „Wo war Gott, als ich meinen Arbeitsplatz verlor? Wo ist ER, in diesem Moment, in dem ich meiner Frau sagen muss, dass kein Geld mehr in der Haushaltskasse sein wird?“

Die Fragen sind unendlich: „Wo war Gott, als mein Mann mich verlassen hatte? Wo war Gott, als mein Vater von Krebs zerfressen wurde und unter Schmerzen starb? Wo war Gott, als unser Haus niederbrannte?“

Ich glaube es gibt niemand in der Gemeinde, der nicht einmal sich gefragt hat, wo Gott sei, unabhängig von der Schwere der Tragödie mit der der eine oder andere getroffen wurde.

Obwohl wir gelehrt werden, Gott nicht in Frage zu stellen, können wir in der Geschichte von Hiob sehen, dass Gott weder beleidigt noch verärgert war, als Hiob sich fragte, wo Gott denn sei. Es scheint so, als hätte seine Frage Gott dazu bewogen, Hiob in einem Wirbelwind zu begegnen.

Ich werde Dir heute nicht sagen, Gott nicht in Frage zu stellen. Stattdessen werde ich mit diesem Blog versuchen, Deine Frage zu beantworten. Ich weiß, dass ich wahrscheinlich mit dieser monumentalen Frage zu kämpfen haben werde und schon viele Gelehrte sich dieser Frage auch angenommen haben. Aber ich denke, dass uns die Bibel auf eine solch bedeutende Frage eine Antwort liefern kann und dass Gott uns diesbezüglich nicht im Dunkeln lassen möchte.

Bevor wir uns nun gemeinsam auf die Suche nach der Antwort begeben, möchte ich erwähnen, dass ich fest davon überzeugt bin, dass Gott uns niemals alleine lässt – egal wie wir uns fühlen und wie die Situation aussieht! Wir werden vielleicht Zeiten erleben, in denen wir IHN nicht fühlen können, IHN suchen, aber nicht finden, IHN berühren möchten, aber nicht können. Dennoch hat ER uns nicht verlassen! Er weiß ganz genau, welche Kämpfe wir in unserem Leben austragen und in welchem Schützengraben wir uns hin und wieder verkriechen. Aber verlassen hat ER uns nicht!

Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen.                      Hebräer 13, 5b

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.    Matthäus 28, 20b

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.                              Römer 8, 38-39

Ich glaube, ER ist immer da und dennoch gibt es diese Zeiten, in denen ich IHN nicht finden kann und diese Fragen aufkommen: „Wo ist ER? Wenn ER versprochen hat, mich niemals zu verlassen, dann frage ich mich wo er gerade ist? Wieso kann ich IHN nicht erreichen? Was macht ER gerade? Wo ist Gott, wenn ich IHN brauche?“

Lasst uns einmal auf die Antwort im Jesaja 63, 1 spitzen.

Wer ist der, der von Edom kommt, mit rötlichen Kleidern von Bozra, der so geschmückt ist in seinen Kleidern und einherschreitet in seiner großen Kraft? »Ich bin’s, der in Gerechtigkeit redet, und bin mächtig zu helfen.«

Die Situation ist simpel: Wir befinden uns auf einem Schlachtfeld, auf dem sich die Feinde in einem tödlichen Kampf gegenüberstehen. Auf der einen Seite sind die Israeliten und auf der anderen Seite die Edomiter. Es tobte ein bitterer Kampf und die beiden Armeen sind sich gegenüber und haben sich in Schützengräben eingegraben.

Zwischen den beiden Armeen befindet sich verwüstetes Land – ein Niemandsland. Ein Platz des sicheren Todes für einen jeden, der versuchen würde, ihn zu überqueren. Es ist Nacht. Die Kälte der Nacht lässt die Soldaten näher zusammenrücken, um sich warm zu halten. Hier und da sind Fackeln, deren Flammen die Silhouetten der Kammeraden erkennen lassen. Die Körper sind erschöpft, aber keiner kommt zur Ruhe, obwohl der Feind das Feuer eingestellt hat.

Die Verletzten werden versorgt und es liegt ein unangenehmer Geruch von Fäulnis und verbranntem Fleisch in der Luft. Obwohl es finster ist und keine Pfeile vom Himmel regnen, ist es nicht ruhig. Hier und da hört man die Schreie und das Stöhnen der verwundeten Kammeraden – Freunde, mit denen man noch vor Tagen auf dem Markt gelacht hat. An der Sammelstelle der Verletzten sieht man seinen Freund, wie die Kraft aus seinem Körper fließt und der Tod nur noch eine Frage der Zeit ist. „Wie sage ich es seiner Frau? Mit welchen Worten kann ich ihr helfen, den enormen Verlust zu verarbeiten? Und was sage ich seinem Sohn und seinen zwei Töchtern? Gott, Herr Israels, wo bist du?…“

Es gab keine Ruhe, keinen Frieden und keine Sicherheit. Die Edomiter hatten versucht die Israeliten vom verheißenen Land fernzuhalten, aber ohne Erfolg. Jetzt waren sie entschlossen, sie für immer zu drangsalieren. Keine Abmachungen und keine Kompromisse. Es war ein endloser Kampf mit einem nie sterben wollenden Feind.

Auch wir haben einen solchen Feind heute. Er gibt niemals auf oder nach; er ist immer auf der Suche nach anderen Möglichkeiten, um uns zu zerstören und zu verschlingen. Und wir sind so wie die Israeliten – im Schützengraben des Lebens und hören den Lärm des sich nähernden Feindes, während wir in der Dunkelheit nach einem Ausweg suchen und uns ängstlich fragen, was uns in dieser Nacht widerfährt. „Gott, wo bist du? Ich brauche dich – jetzt; hier in diesem Moment. Herr, würdest Du mir helfen? Mein Baby ist krank und die Ärzte wissen nicht, was sie tun sollen. Wir haben kein Geld mehr auf der Bank, keine Hoffnung mehr, keine Zukunft und keinen Ausweg. Herr, würdest du helfen? Wo bist du, wenn ich dich brauche?

Es war ein sehr anstrengender Tag und eine wilde Nacht im Jordantal. Noch in der Nacht konnten die Israeliten die Echos der Schreie und Kampfgeräusche auf der anderen Seite des Niemandslandes hören. Die israelischen Soldaten können ein Rauschen hören; sie wissen, dass sich etwas auf sie zu bewegt. Der Adrenalinspiegel in ihrem Blut nimmt zu und die Herzen der Kämpfer schlagen schneller und pochen gegen ihren Brustkorb; ihr Mund ist trocken, nur noch der eiserne Geschmack des Blutes erinnert sie daran, dass sie verwundet sind und ihr Ende nahe zu sein scheint.

Plötzlich können sie es von Ferne sehen. Es ragt in der Finsternis hervor. Das Mondlicht verleiht der Gestalt ein furchteinflößenden Anblick. Was ist es? Es ist riesig und sieht aus wie ein Mensch. „Schaut, ein Kämpfer und größer als jeder Riese. Er kommt auf uns zu. Wer ist er und was hat er vor?

Jesaja beschreibt den Krieger als jemanden, der „auftritt in der Fülle seiner Kraft“. Was er eigentlich damit sagen möchte ist, dass der Kämpfer von einer Seite auf die andere Seite schwenkt und dabei stolzierend, wie jemand mit Macht und Autorität, auf die Israeliten zugeht. Schaut wie er geht, wie jemand, der siegreich ist und vom Triumph begleitet wird. Und schaut euch seine Kleider an. Auf den ersten Blick sieht es aus, als seien sie mit Wein getränkt.

Aber schon bald erkennt man, dass es das Blut von Menschen ist – Menschen, die er besiegt hat. Wo war er? Was hat er getan? „Ich habe sie gekeltert in meinem Zorn und zertreten in meinem Grimm. Daher ist ihr Blut auf meine Kleider gespritzt..“ (63, 3)

Sie erkennen ihn nicht; sie sind verwirrt, denn er kommt aus dem Lager der Feinde. Sie hätten ihre Verbündeten aus einer anderen Richtung erwartet – nämlich hinter ihnen. Jesaja sagt, dass er aus Bozra kommt, dem Lande der Edomiter.

Bozra ist die Hauptstadt der Edomiter, das Zentrum ihrer Macht und Herrlichkeit. Und dieser, dessen Kleider mit Blut getränkt sind und der auftritt in der Fülle seiner Kraft, nähert sich ihnen aus dem Lager der Feinde und spricht mit großer, Ehrfurcht einflößender Stimme: „Ich bin’s, der Gerechtigkeit lehrt und ein Meister ist zu helfen.“

Ich kann dir sagen, wo Gott ist, wenn du ihn brauchst. Er ist nicht weit weg, irgendwo im Himmel; er ist nicht im Urlaub; er ist nicht mit den Problemen anderer beschäftigt und hat keine Zeit für dich. Nein! Er hat bereits die Frontlinie des Feindes überschritten und zerschmettert den Feind in ihrem eigenen Lager; er zertritt sie in der Fülle seiner Macht. Er hat schon einen Ausweg für dich geschaffen, bevor du überhaupt nach einem gesucht hattest. Er wird niemals zulassen, dass wir mit mehr geprüft werden, als wir in der Lage sind zu tragen.

Er ist schon vor uns auf das Schlachtfeld gegangen und kämpft für unsere Siege. Seine Kleider sind getränkt von dem Blut unserer Depression, dem Blut unserer Verzweiflung; unsere Krankheit liegt bereits besiegt zu seinen Füßen. Er erkämpft bereits unsere Siege auf dem Schlachtfeld. Kannst du ihn schon sehen?…

Er schwenkt von einer Seite zu anderen in der Fülle seiner Macht und schwingt sein Blutbeflecktes Schwert über seinem Kopf und ruft aus – so das es jeder hören kann: „ Es ist vollbracht! Ich habe bereits den Feind für dich überwunden.“ Dort ist Gott, wenn du ihn brauchst.

Das ist die bevorzugte Art und Weise, wie Gott sich unserer Feinde annimmt. Er hat sich schon immer daran erfreut hinter die feindlichen Linien zu gehen. Dort hat er schon immer seine beste Arbeit getan…

Teil 2 folgt

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